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Elektronisches Patientendossier

Elektronisches Patientendossier

Am 15. April 2017 ist das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier in Kraft getreten und ab 2020 können Patientinnen und Patienten voraussichtlich ein elektronisches Patientendossier (EPD) eröffnen. In den letzten Jahren hat die FMH die Erarbeitung des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier eng begleitet und zum Entwurf der Gesetzesvorlage sowie zum Ausführungsrecht ausführlich Stellung genommen. Auch hat die FMH zur Erarbeitung der organisatorischen und technischen Grundlagen des EPD eine aktive Rolle in den Gremien von eHealth Suisse eingenommen.

Die FMH engagiert sich für ein elektronisches Patientendossier, das einer interprofessionellen Sichtweise Rechnung trägt. Es soll den Informationsaustausch zwischen allen am Behandlungsprozess Beteiligten unterstützen.

Die nationalen Verbände der Gesundheitsberufe und die FMH haben sich dazu zur «Interprofessionellen Arbeitsgruppe elektronisches Patientendossier» (IPAG EPD) zusammengeschlossen. Aktuell fokussiert die IPAG EPD ihre Arbeiten auf die beiden Themen «eMedikation» und «eÜberweisungsbericht».

Um die Ärzteschaft in der Umsetzungsphase des EPD zu begleiten, hat die FMH eine Position verabschiedet. Die FMH

  • unterstützt das elektronische Patientendossier und fördert dessen Verbreitung;
  • setzt sich für eine wirtschaftliche und nutzenorientierte Umsetzung und Weiterentwicklung des EPD zugunsten ihrer Mitglieder ein;
  • erarbeitet Empfehlungen betreffend die Teilnahme ihrer Mitglieder am EPD sowie des Anschlusses der Ärztinnen und Ärzte an eine Stammgemeinschaft oder andere Gemeinschaft;
  • empfiehlt und fördert Standards im Bereich des Anschlusses der ambulanten Primärsysteme an die Infrastruktur des EPD.

FAQ – Elektronisches Patientendossier und AD Swiss

Ich führe bereits eine elektronische Krankengeschichte. Was ist der Unterschied zum elektronischen Patientendossier?

Das elektronische Patientendossier wird im Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) definiert als «virtuelles Dossier, über das dezentral abgelegte behandlungsrelevante Daten aus der Krankengeschichte einer Patientin oder eines Patienten oder ihre oder seine selber erfassten Daten in einem Abrufverfahren in einem konkreten Behandlungsfall zugänglich gemacht werden können» [1].

Gemeinschaften oder Stammgemeinschaften [2] betreiben zu diesem Zweck sekundäre Ablagesysteme, welche unter anderem eine Kopie der relevanten Daten einer elektronischen Krankengeschichte enthalten. Erst beim Zeitpunkt des Zugriffs auf das EPD werden die Dokumente aus den sekundären Ablagesystemen abgerufen und zu einem Dossier zusammengefasst.

Alle gesetzlichen und vertraglichen Pflichten (kantonale Gesundheitsgesetze sowie die FMH-Standesordnung, Behandlungsauftrag), die mit dem Führen einer Krankengeschichte verbunden sind, werden nicht durch das Vorhandensein eines EPD tangiert [3]. Auch wenn eine Patientin ein EPD führt, kann die Ärztin nicht auf die Dokumentation in der Krankengeschichte, sei diese auf Papier oder elektronisch, verzichten.

Weitere Informationen zum elektronischen Patientendossier stellt die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen eHealth Suisse unter www.patientendossier.ch bereit.

 

[1] Art. 2 Bst. a. SR 816.1

[2] Botschaft EPDG, BBl 2013 5321, S. 5337: Als Gemeinschaft oder Stammgemeinschaft wird eine organisatorische Einheit von Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen bezeichnet, die an der Patientenbehandlung beteiligt sind und patientenbezogene Informationen erstellen und oder abrufen.

[3] Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften / Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (2020) Rechtliche Grundlagen im medizinischen Alltag. Ein Leitfaden für die Praxis. Seite 59ff.

Bin ich verpflichtet am EPD teilzunehmen?

Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) sieht den Grundsatz der doppelten Freiwilligkeit vor. Dieser Grundsatz gilt für Patientinnen und Patienten, die selbständig und nach schriftlicher Einwilligung entscheiden, ob sie am EPD teilnehmen möchten, sowie für Gesundheitsfachpersonen und ihre Einrichtungen[1]. Ausgenommen von der Freiwilligkeit sind Leistungserbringer nach Artikeln 39 und 49a Absatz 4 KVG[2], welche Leistungen zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) abrechnen. Nach Inkrafttreten des EPDG zum 15. April 2017 hat der Gesetzgeber eine Frist von drei Jahren vorgesehen, innert der Spitäler inklusive Rehakliniken und Psychiatrien ein EPD anbieten müssen. Für Geburtshäuser und Pflegeeinrichtungen gilt eine Frist von 5 Jahren.

Für ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte besteht zum jetzigen Zeitpunkt keine Pflicht am EPD teilzunehmen. Mit der KVG-Revision zur Zulassungssteuerung, die am 19. Juni 2020 verabschiedet wurde, wird die Zulassung zur OKP neu mit der Teilnahme am EPD verbunden. Die Revision tritt voraussichtlich am 1. Juli 2021 in Kraft. Ärztinnen und Ärzte, die bereits nach geltendem Recht über eine unbefristete Zulassung verfügen, sind nicht von der Pflicht zur Teilnahme am EPD betroffen.

 

[1] Botschaft EPDG, BBl 2013 5321, S. 5349

[2] SR 832.10

Wann wird das EPD in der Schweiz eingeführt?

Das EPDG ist seit dem 15. April 2017 in Kraft. Akutspitäler, Reha-Kliniken und stationäre Psychiatrien haben ab diesem Zeitpunkt drei Jahre Zeit sich einer zertifizierten Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft anzuschliessen. Die Frist für den Anschluss fällt somit auf den 15. April 2020 und gilt als Einführungstermin des EPD. Damit eine Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft den Betrieb aufnehmen und ein EPD anbieten kann, muss diese die Zertifizierungsvoraussetzungen nach Art. 12 EPDG erfüllen. Aufgrund des aufwändigen Zertifizierungsverfahrens, Anpassungen von Ausführungsbestimmungen sowie aufgrund von Verzögerungen in der technischen Umsetzung innerhalb der Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften konnte der Termin zum 15. April 2020 nicht eingehalten werden. Es ist davon auszugehen, dass die Zertifizierung von Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften erst in einem Zeitraum zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021 abgeschlossen werden kann. Erst dann können Patientinnen und Patienten ein EPD eröffnen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Stammgemeinschaft und Gemeinschaft?

Bei Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften handelt es sich um einen Zusammenschluss von Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen, die eine privatrechtliche Organisation bilden. Sie betreiben die nach EPDG erforderliche Infrastruktur für die Speicherung und für den Abruf des EPD von Patientinnen und Patienten durch Gesundheitsfachpersonen. Ärztinnen und Ärzte, die am EPD teilnehmen möchten oder dazu verpflichtet sind, müssen sich dieser Organisation anschliessen.

Patientinnen und Patienten können ausschliesslich in einer Stammgemeinschaft ein EPD eröffnen. Stammgemeinschaften sind gesetzlich verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen für die Einwilligung, Eröffnung und Aufhebung eines EPD und sind verantwortlich für Kontaktstellen und das Zugangsportal für Patientinnen und Patienten.

Gemeinschaften bieten dies nicht an und ermöglichen lediglich den Zugriff auf das EPD für Gesundheitsfachpersonen, indem sie ein Zugangsportal für Gesundheitsfachpersonen oder Schnittstellen für den Zugriff auf das EPD durch das Primärsystem (elektronische Krankengeschichte) zur Verfügung stellen.

Ärztinnen und Ärzte, die sich einer Gemeinschaft anschliessen, erfüllen demnach die allfällige gesetzliche Pflicht zur Teilnahme am EPD, müssen jedoch nicht umfängliche Aufgaben übernehmen, die mit der Eröffnung eines EPD anfallen.

Welche Möglichkeiten gibt es, am EPD teilzunehmen?

Für die Teilnahme am EPD müssen sich Ärztinnen und Ärzte an einer zertifizierten Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft gemäss EPDG anschliessen. Derzeit befinden sich neun Stammgemeinschaften und eine Gemeinschaft im Aufbau, die das Zertifizierungsverfahren gemäss EPDG begonnen haben. Eine Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft besteht aus einem Trägerverein sowie einer weiteren allfälligen Trägerorganisation und einer Betriebsgesellschaft, welche die technische Umsetzung für das EPD übernimmt. Auch wenn die Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft noch nicht zertifiziert ist, können Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen einem Trägerverein beitreten, jedoch noch kein EPD anbieten. Eine Übersicht der künftigen Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften gemäss EPDG wird durch die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen eHealth Suisse publiziert [1].

Die ärzteeigene Gemeinschaft AD Swiss ist national tätig und ermöglicht Gesundheitsfachpersonen und Gesundheitsorganisationen die Teilnahme am EPD. Ihre Betriebsgesellschaft ist die AD Swiss Net AG, an welcher Ärztekasse, FMH und HIN beteiligt sind.

 

[1] https://www.e-health-suisse.ch/gemeinschaften-umsetzung/epd-gemeinschaften/gemeinschaften-im-aufbau.html

 

Was bedeutet AD Swiss EPD Gemeinschaft und wer steht dahinter?

Die AD Swiss EPD Gemeinschaft ist ein nicht gewinnorientierter Verein mit dem Zweck des Aufbaus und des Betriebs einer Gemeinschaft gemäss EPDG. Als Gemeinschaft ermöglicht sie Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen den Zugang zum elektronischen Patientendossier gemäss Gesetz. Die Zeichen AD (englisch ausgesprochen) stehen für «Affinity Domain». Dies ist ein Begriff aus dem zugrundeliegenden internationalen Standard, der im EPD verwendet wird. Hierunter wird ein Netzwerk von Gesundheitsfachpersonen bzw. deren Gesundheitseinrichtungen verstanden, die medizinische Informationen auf Grundlage einer gemeinsamen Infrastruktur austauschen.

Der Vorstand der AD Swiss EPD Gemeinschaft setzt sich aus Vertretern der Organisationen Ärztekasse, FMH und Health Info Net AG zusammen. Der Verein überträgt den Betrieb zur Gewährleistung der technologischen Entwicklung und der Infrastruktur an die Betriebsgesellschaft AD Swiss Net AG. Aktionäre der AD Swiss Net AG sind Ärztekasse, FMH und Health Info Net AG. Durch die Beteiligung der FMH sowohl am Trägerverein als auch an der Betriebsgesellschaft ist sichergestellt, dass die Vertretung der Interessen der Ärzteschaft ein Kernanliegen von Gemeinschaft und Betriebsgesellschaft darstellen. Neben der Möglichkeit zur Teilnahme am EPD für Ärztinnen und Ärzte betreibt die AD Swiss Net AG weitere Dienste für eine direkte Kommunikation wie eine e-Überweisung, e-Berichtsaustausch oder e-Rezept an. Weitere Informationen sind auf der Webseite der AD Swiss EPD Gemeinschaft (https://www.ad-swiss.ch/de) verfügbar.

 

Yvonne Gilli zum Elektronischen Patientendossier EPD

 

Yvonne Gilli zur AD Swiss Net AG

 

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