FMH – Berufsverband
 

120 Tage Zentralvorstand der FMH

Neue Ämter haben etwas wunderbares, man geniesst zu Beginn eine gewisse Narrenfreiheit. Es fühlt sich an, wie mit einer Bündner Autonummer durch Zürich zu fahren – vieles wird einem verziehen, niemand hupt. Allerdings hat sich 2024 als das falsche Jahr für einen ruhigen Einstieg entpuppt. Ich blicke auf hektische vier Monate zurück.

Michael Andor
​​​​​​​
Dr. med., Mitglied des Zentralvorstandes

Dieses Editorial ist ein Rückblick auf meine ersten vier Monate im Amt. Ich möchte Ihnen
zeigen, was mich in dieser Zeit beeindruck hat und wie ich die FMH von innen kennengelernt
habe.

2024 war ein verrücktes Jahr. Sammeln wir zuerst einmal die grossen Ereignisse. Da war
zu Beginn die Abstimmung über die ‘Kostenbremse Initiative’, gefolgt vom folgenschweren
Bundesratsbeschluss vom 19. Juni 2024 mit der Einführung des TARDOC und ambulanten
Pauschalen. Dann die Auflösung der Krankenkassenverbände santésuisse und curafutura
mit Ankündigung eines neuen gemeinsamen Verbandes, gefolgt von der Trennung der Schweizerischen Ärztezeitung vom Verlagshaus EMH und zuletzt die Bundesgerichtsentscheide zu den Notfallpositionen im TARMED, welche einen massiven
Einfluss auf die ambulante Notfallversorgung haben. All diese Ereignisse
erforderten rasche Reaktionen mit grosser Tragweite. Entsprechend fundiert mussten
diese vorbereitet werden, was extrem viele Ressourcen beanspruchte.
 

Damoklesschwerter und Herkulesaufgaben
Vor allem der Bundesratsbeschluss über den ambulanten Arzttarif hatte weitreichende
Konsequenzen für die FMH. Es brauchte zeitnah Medienmitteilungen und es galt, rechtliche
Fragestellungen zu klären. Das Tarifbüro der FMH musste plötzlich ein neues ‘kohärendes
Tarifsystem’ miterarbeiten, in dem neben dem Einzelleistungstarif TARDOC
auch ambulante Pauschalen fix gesetzt waren, die die Fachgesellschaften und die FMH bereits
im Vorfeld als noch nicht praxistauglich und unausgereift beurteilt hatten. Das Ganze
unter dem Damoklesschwert eines Amtstarifes im Falle des Scheiterns einer tarifpartnerschaftlichen Einreichung und unter enormem Zeitdruck.
Letzterer da der Bundesrat der Erledigung dieser Herkulesaufgabe gerade einmal
vier Monate zugestanden hatte. Neben den höchst intensiven Verhandlungen im
Koordinationsgremium der Organisation ambulanter Artztarif (OAAT) war es Aufgabe der FMH, die Kommunikation nach innen und nach aussen zu führen, zu informieren und die Interessen innerhalb der Ärzteschaft zu koordinieren. Es war eindrücklich zu sehen, wie die verschiedenen Fachspezialistinnen und Fachspezialisten der FMH als Team zusammenspielen. Ein Zusammenspiel welches nur dank Flexibilität und einer unglaublichen Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Stufen funktioniert.

"Eindrücklich zu sehen, wie die verschiedenen Fachspezialistinnen und Fachspezialisten der FMH als Team zusammenspielen."

Dieses fein abgestimmte Räderwerk ermöglicht es dem Zentralvorstand, auch in so schwierigen und intensiven Zeiten schlagkräftig zu bleiben und für die Interessen der Ärztinnen und Ärzte zu kämpfen. All diese Menschen machen die FMH aus.

 

Das Immunsystem der Ärzteschaft
Daneben musste aber auch das Tagesgeschäft der FMH weiter funktionieren und war nicht weniger intensiv, mit unter anderem verschiedensten Vernehmlassungen, die einer differenzierten Anwort mit häufig auch juristischen Abklärungen und Einbezug betroffener
Fachgesellschaften bedürfen. Gleichzeitig werden die gesundheitspolitischen Geschäfte
engmaschig beobachtet und bearbeitet. An diesen Beispielen sieht man exemplarisch, wie wachsam die FMH für die Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise die gesamte Gesundheitspolitik agiert. Als Rheumatologe erinnert mich dies an unser Immunsystem – die
FMH ist gewissermassen das Immunsystem der Ärzteschaft. Sie analysiert laufend die gesundheitspolitischen Ereignisse und Geschäfte, agiert und reagiert, meist ohne dass wir bei unserer täglichen Arbeit in den Praxen und Spitälern etwas davon merken. Viele Probleme werden abgewehrt oder entschärft, noch bevor sie virulent werden. Im Idealfall bemerkt man als Mitglied kaum etwas von dieser Arbeit die häufig im Stillen geschieht. Dieses proaktive Vorgehen, sei es nun im Stillen oder auch einmal gut hörbar, soll in Ein fein abgestimmtes
Räderwerk ermöglicht es dem Zentravorstand, auch in so schwierigen und intensiven Zeiten
schlagkräftig zu bleiben. Zukunft vermehrt das Ziel der FMH sein - als Stimme für ein Gesundheitswesen, in dem Ärztinnen und Ärzte mit möglichst wenigen administrativen Hürden und mit guten Rahmenbedingenungen, das tun können, wofür sie ausgebildet wurden: Patientinnen und Patienten betreuen. Wenn nötig hat die FMH aber auch die Mittel, um laut zu werden und sich Gehör zu verschaffen, so wie wir es im Abstimmungskampf gegen die Kostenbremseinitiative erlebt und schlussendlich die Abstimmung mit einen riesigen Erfolg gewonnen haben.
Sie spüren aus den vorausgegangenen Zeilen meinen Enthusiamus, in diesem Amt für unseren
Berufsstand zu arbeiten und ich hoffe, dieses Editorial hat Ihnen die FMH etwas näher gebracht.

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